Winterkurs Teil I HHA

Spital/Drau und Felbertal, 18. bis 22.Jänner 2010 - Der erste Teil der Winterausbildung für den Heereshochalpinisten riss mich auf Basis einer freiwilligen Waffenübung aus meinem zivilen Leben heraus. Nach der erfolgreichen Absolvierung des Hochtourenkurses ging es für mich in diesen fünf Tagen darum, die Kursziele, den Heeresskilauf und die Befähigung für den Winterlehrgang Teil 2 zu schaffen.

Mit Sack, Pack und Einberufungsbefehl setzte ich mich in Richtung SPITTAL an der DRAU zum Jägerbatallion 26 in Marsch. Dem üblichen Kursaufnahmeprozedere durch die Stabskompanie Jägerbatallion 25 folgten die Worte des Kurskommandanten Herrn Obst Ing. HERREITER, seines Zeichens auch stellvertretender Kommandant der 7. Jägerbrigade .  Die Gruppeneinteilung der 21 Kursteilnehmer ergab, dass ich  als Milizsolist des Kurses in eine Gruppe voller junger, voller Kraft strotzender Korporäle aus dem „Ländle“ und Tirol hinzu eingeteilt wurde.....

So war zu mindest meine muttersprachliche Rettung unser Heeresskilehrer Herrn Vzlt PICHLER Paul aus STRASS.

Die Ausrüstung verladen, begab sich die Pinzgauerkolonie über den FELBERTAUERN ins Salzburgische.  Das heereseigenene Seminarzentrum FELBERTAL sollte für die kommende Skiwoche alle Annehmlichkeiten eines Hotelaufenthaltes bieten. Da stand zu Beginn des Lehrganges nur eines im Wege: nämlich das Einzelvorfahren des ersten Skitages. Kaum 10 Skilängen auf der Skipiste verschwand der ganze Kurs ins Gelände hinein.
Geschockt von dieser unerwarteten Prüfungseinlage versuchte sich einer der Korporäle durch den Sturz über eine 3 Meter Felswand in mitten der darunter verweilenden Kameraden dem Ganzen zu "entziehen". Gott Lob unverletzt konnte er, wie auch die anderen diese erste Testürde überstehen.In den folgenden zweieinhalb Tagen wurde intensiv die Skigrundschule geübt: Pflug, Skigrundeinstellung, Stemmschwung, Schrägfahren und auch der Carvingschwung am oft unterschätzten Heeresski war für einige bis zu diesem Kurs ein Ding des Unvorstellbarem.

Natürlich wurde bei aller Konzentration auf die größtmögliche Genauigkeit nicht auf das freie Fahren vergessen.Man forcierte dabei das Schwingen mit Rhythmuswechsel in der Gruppe und das flotte, zügige Schussabfahren - immer im Geiste des Auftrages, sicher von A nach B zu kommen. Es galt nun das alles in das Gelände zu übertragen.Bevor es jedoch los ging, befassten wir uns eindringlich mit den Lawinen-Verschüttenden-Suchgeräten. Perfekt ausgerüstet mit der neuesten 3-Antennentechnologie an Piepserl, der Schaufel und Sonde wurde gesucht nach dem Motto, „Was hilft die beste Ausrüstung, wenn man sie unter der Stresssituation nicht anwenden kann!“.

Die ruhige Handhabung, welche eine sichere Punktortung garantiert, rief bei vielen das Bewusstsein hervor, dass bei aller technischen Unterstützung, erst der richtige Umgang mit dieser, eine präzise Suche nach dem Verschütteten gewährleisten. Dieses erledigt,  erfreuten wir uns sodann nicht nur am schönen winterlichen Wetter, sondern auch an der feinen Spürnase unseres Heeresskilehrer Vzlt PICHLER, der trotz der mageren Schneeverhältnisse immer wieder schönen Pulver für uns gefunden hat.  Er machte keine Anstalten, damit wir am Abend schön müde sein sollten. So „bretterten“ wir den Alpinsack geschultert die Hänge hinunter und zwischendurch auch mit den Fellen hinauf aus Gründen des korrekten Handlings der Aufstiegshilfe - als kleiner Vorgeschmack auf den Winterlehrgang Teil 2.

In Theorie hörten wir abends noch Vorträge zu folgenden Themen: Skipräparierung. Hervorragend unterhaltsam vorgetragen durch Vzlt RIEDL, der uns seine Erfahrungen als mehrfacher Sieger des legendären Dobratsch-Skirennens kund tat. Wir sahen zudem einen Lehrfilm über die Skigrundschule und deren Anwendung im Zuge des militärischen Einsatz im Hochgebirge.

Und nicht zu vergessen natürlich das bergkameradschaftliche gemütliche Beieinandersitzen an der Bar, dass stets geprägt war vom nächsttäglichen sportlichen Ausbildungsvorhaben.  Fit sein war auch notwendig – am Tage der Prüfung, den Donnerstag. Vormittags zogen wir zum Aufwärmen noch einige Schwüngen.  Mittags stärkten wir uns wie an den Tagen zuvor auf einer Schihütte um festzustellen, dass das Wetter merklich schlechter wird – vorbei mit dem schönen Skiwetter der vergangenen Tage.

Nebel, Wind und zum Teil starkes Graupeln sorgten für sehr diffuse Lichtverhältnisse, welche die Nervosität der Kurslinge merklich steigerte.  Lehrgangskommandant Obst Ing. HERREITER legte nochmals fest: je einen Hang im „freien Skigelände“ sowie auf der präparierten Piste, ohne Sturz, im kontrollierten, zügigen, den Verhältnissen angepasstem Tempo unter Ausnützung eines vorgegebenen Bewegungsstreifens. Im Anbetracht der schwierigen Verhältnisse entschloss man sich jedoch im Sinne der Kandidaten eine zweimalige Chance beim Geländefahren zu gewähren. Der erste Hang gestaltete sich sehr schwierig. Steil, dem eisigen Wind ausgesetzt, den dichten Graupel über die Geländekonturen jagend, nur mehr ein Abfahren auf Gefühl zu ließ. Alle kämpften irgendwie gegen das Vereisen der Brillengläsern. Sicht Null und so gab es Kontakt mit der Prüfungskommission nur über Funk ..... ein tadelloser "Trost", wenn der Fall des „Umfallers“ eintreten sollte ... Ich selbst erinnerte mich zur Beruhigung an eine militärische Skitour auf der SEETALER, wo wir in ähnlichem Gestöbere mit dem alten guten zweier Bergschuh den ZIRBITZKOGEL hinunter „geisterten“ ...

Froh darüber die massiven (private waren erlaubt) Skitourenschuhe an den Beinen zu haben, auf der Suche nach unbefahrenen, vermutlich leichter zu fahrendem Schnee, geriet ich mehrmals vom Pulver in den pickelhart gefrorenen Harsch. Auf der Flucht in den  rettenden, bereits von den Kameraden zer“pflügten“ Bereich fand ich einigermaßen den Rhytmus   - wie auch die Prüfer mit Schreibgerät in den Händen und einen schönen natürlicher „Kicker“. Den Sturz mit Müh´ und Not gerade noch vermieden, landete ich beinah auf einem Kameraden.

Aus den widrigen Umständen heraus gefahren, dem Tal näher, am zweiten Prüfungshang angekommen, befreiten sich doch viele von den schneeweißen Folgen eines möglichen negativen Kurserfolges. Frisch motiviert durch die zweite Chance, vollzog sich der zweite Prüfungsteil nun wesentlich leichter. Flach beginnend, gelangte man sehr leicht ins Fahren und konnte das zeigen, was gefordert war. Meiner einer fuhr das Maß zwischen dem Geforderten, dem Gelernten und dem Spaßfaktor, und machte eine schöne Fahrt. Fast zum Trotz besserte sich das Wetter und es stellte sich die Frage, ob erfolgreich oder nicht ? Egal. Wir machten noch einige schöne gepflegte Abfahrten durch die Natur.

Schlussendlich hörten wir nach dem Abendessen die Ergebnisse der fünfköpfigen Prüfungskommission. Drei Lehrgangsteilnehmer haben den Kurs nicht geschafft und wurden mit „zur weiteren Ausbildung vorgeschlagen“ nach Hause geschickt. Der Großteil durfte sich über ein „für den Winterlehrgang Teil 2 geeignet“ freuen. Nicht einmal eine Handvoll erhielt das Prädikat „für den Heeresskilehrer zugelassen“. Zu guter letzt durfte ich die Gratulation von unserem Kurskommandanten entgegen nehmen und die Fahnen der Miliz sowie unseres Erzherzog-Johann-Batallions hochhalten: als Kursbester mit Auszeichnung.

Somit ging für mich eine sehr schöne und erfolgreiche Woche beim Bundesheer fast zu Ende, denn am nächsten Tag „befahl“ Obst Ing.HERREITER auf der Rückfahrt nach SPITTAL zu unserer aller Freude einen Ski-Halt. Bei perfektem Wetter wedelten wir nochmals im Skigebiet von MATREI - mit „feinstem“ Blick den GROSSGLOCKNER.

Recht herzlich bedanken möchte ich mich beim „Spieß“ der kursdurchführenden Einheit, der Stabskompanie Jagerbatallion 25, Vzlt < I>!“ – er hat nicht nur perfekt organisiert, sondern mir bei zwei bürokratischen Dingen unkompliziert geholfen.

Natürlich bei meinem Gruppenkommandanten Vzlt PICHLER Paul, der mir einiges an neuer Skitechnik beigebracht hat und mit seinen „mutigen“, gut der Gruppe angepaßten Ausflügen ins Gelände viel Freude bei aufkommen ließ .

Ein richtiges Dankeschön auch an die „26iger“ für die tolle Ausrüstung – vor allem die Präparierung der Schier war wirklich perfekt und selbst auf der Piste hat man das „Brett“ ordentlich „niederdrücken“ können, dass einige der Zivilisten im direkten Vergleich über unsere „Waffen“ ordentlich staunten.

Und besonders zu Dank verpflichtet bin ich meinem ehemaligen Vorgänger als S3 UO im Batallion und S3 MobUO Militärkommando Steiermark, OStWm Jürgen HAMMER, der mir meine Kurswünsche  immer tadellos bearbeitet hat.